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Ist es nicht schon schwer genug ...

Ich schaue in das Feuer im Ofen, mein Hund neben mir, meine Katzen liegen schlafend vor dem warmen Ofen. Ein schöner Abend geht zu Ende. Lächelnd schaue ich TV.

Das Telefon klingelt. Muss das jetzt sein, denke ich mir. Ich nehme an. "Hallo, ich bin es Bianca. Ist deine Mutter oder dein Vater in der Nähe?" Meine Cousine krächzte die Worte ins Telefon. Ich renne durchs Haus, drücke meiner Mutter das Telefon in die Hand. "Hallo ... Was? Oh nein? Das kann nicht wahr sein. Was ist passiert, war er alleine? Ich glaube das nicht ... Ich kann gerade nicht mehr." Sie legt auf, guckt mich und Papa an, ihre Augen blutrot unterlaufen. "Mike ist tot."

Sie verlässt die Küche. Ich frage fassungslos nach. "Was ist passiert?" ... "Mike war im Wald. Alleine. Verdacht auf Herzinfarkt."

Ich rannte in mein Schlafzimmer, nahm mein Handy in die Hand. "Ich rufe Christoph an." Mein Bruder sollte es erfahren. "Hat Bianca angerufen? Mike ist tot. Verdacht auf Herzinfarkt." "WAS? Mike? Was ist passiert?", antwortete er stotternd. Ich gebe mein Handy an Mama weiter. Nach dem Telefonat wurde auch meine Schwester benachrichtigt. Wenig interessiert erzählte sie von dem Geburtstag ihrer Schwiegereltern. 

Mein Handy vibiriert. "Mama, Christoph ruft an." Nein, es war seine Frau. "Heidi, bitte geh mal zu deiner Schwester. Denen geht es gar nicht gut." "Ja, mache ich." 

Papa schaut mich an. Ich erwieder seinen Blick mit einem gezwungenen Lächeln, ging die Treppe hinauf und zog mir eine Jacke an. Ich konnte Mama nicht alleine lassen.

Der Weg kam mir sehr lang vor. Eigentlich waren es nur etwa 100 Meter zum Haus meiner Tante. Schweigend liefen Mama und Ich durch den Regen. Es war dunkel. Auf einmal hielt neben uns ein Auto an.

"Hallo Dani. Wie geht es dir?", fragte Mama meinem Cousin, der im Auto saß. "Mike war arbeiten heute morgen. Er kam nicht zum Essen. Die Polizei wurde benachrichtigt, weil er im Wald nicht zu finden war. Auf einmal sah ich ihn da liegen. Die Polizei schickte mich weg, aber ich wollte doch meinem Bruder helfen." Worte die ihn aus der Fassung brachten. Weinend fuhr er weiter.

Zum ersten Mal merkte ich Tränen fließen. Die letzten 20 Meter gingen wir zügiger. Am Haus angekommen, öffnete Bianca uns die Tür. Wir gingen hinein und da saß er. Luca, der 10jährige Sohn meiner Cousine, weinend in den Armen von Sven, dem Cousin meiner Cousine. 

Nun saß ich da auf dem Sofa. Luca schaute uns weinend an. Ich höre ein leises "Mike war doch wie ein Vater für mich." Sven nahm das weinende Kind in den Arm. "Komm, wir fahren zu mir und spielen ein wenig Playstation."

Neben mir saß Tante Bine. "Ich habe schon Tabletten für die Nerven genommen. Ich rauche eine Zigarette nach der anderen." 

Auf der anderen Seite saß Onkel Günter. Schweigend. Atmete schwer. Greift alle paar Minuten zu seinem Asthma Inhalier Spray. 

Bertie, der sonst so aufgedrehte Jagdhund meines Cousins, sprang auf mein Schoß, kuschelte sich an mich ran.

Gegenüber von mir saß Bianca. Auf dem Boden schauend.

Ich schaute auf die Lampe, die schräg über mir hing. Immer wieder spürte ich heiße Tränen auf meinem Gesicht. Das Atmen viel mir schwer.

Nun saßen wir in dem verrauchtem heißen Wohnzimmer. Meine Tante nahm nach gefühlten 30 Minuten das Gespräch auf.

"Er ist heute morgen in den Wald gefahren. Wollte doch noch etwas für die Arbeit erledigen. Er war doch immer pünktlich zum Mittagessen da. Ich rief ihn an, keiner ging ran. Günter und Luca sind dann zusammen in den Wald gefahren."

Ich schaute zu meinem Onkel rüber. "Als wir im Wald ankamen. Sah ich sein Auto. Das Fenster war unten, der Schlüssel steckte, auch sein Jaggewehr lag im Auto."

Wieder blickte ich an die Lampe, mein Onkel holte tief Luft. "Wir haben ihn nicht gefunden, konnten auch mit unserem Auto nicht weiter ins Revier fahren. Also holten wir Horst ab, damit wir jemanden mit einem Geländewagen dabei hatten. Nach weiteren Suchversuchen und Rufen gab es immernoch kein Zeichen von ihm. Mittlerweile ist Dani gekommen, der sofort die Polizei anrief. Nach einer Zeit fand Dani ihn. Tot. Der Polizist hat uns erzählt, dass es so verlaufen sein könnte, dass er einen Herzinfarkt hatte und abgestürzt ist, mit seinem Kopf auf Steinen aufschlug."

Heiße Tränen liefen wieder mein Gesicht hinunter. Sie wurden kalt, sobald sie den Hals erreicht hatten. Ich starrte auf die Bilder, die an der Wand hingen, malte mir aus, wie es wohl passiert ist. Musste er leiden? Wie lange lag er schon tot im Wald? Hätte man ihn helfen können? 

In meinem Magen bildete sich ein Kloß. Er stieg auf. Mir wurde schlecht. Mama blickte mich nach erneutem Schweigen an. Ich schaute Bertie an. 

In Gedanken sprach ich zu mir. "Onkel Günter, der keine 5 Schritte mehr laufen kann, ohne das ihm die Luft weg bleibt. Tante Bine, die vor 2 Wochen noch mit Verdacht auf Leukämie im Krankenhaus war. Schaffen sie das?"

Onkel Günter bekommt keine Luft, sackt immer weiter zusammen.

"Soll ich einen Krankenwagen anrufen. Nicht, dass du uns hier auch noch schlapp machst." "Nein!"

Mama schaute mich erneut an. "Wollen wir nach Hause?" Ich nickte ihr zu. Begleitet von meiner Tante verlassen wir das Haus. 

Angekommen zog ich mich ins Schlafzimmer zurück. Immer wieder der Gedanke, dass mein Cousin tot ist. Herzinfarkt. Warum er? Er war doch noch so jung. Vor meinen Augen das Bild meines Cousins, der laut weinend im Auto saß, zusammen mit seinem Sohn. Meine Cousine, die mich weinend ansah und fragte, ob ich nicht ihren Urlaub für Ende Oktober absagen könnte. Mein Onkel, der schwer atmend auf dem Sofa lag und kurz davor ist, zusammen zu brechen. Meine Tante, die so benebelt von Tabletten war, dass sie kein Gefühl zeigen konnte. Luca, der seine womöglich einzige Bezugsperson verloren hat. Mama, die doch vor 10 Monaten erst ihre Mutter verloren hat. Jenny, die uns laut weinend gebeten hat, zu Tante Bine zu fahren.

Ich schaute in den Himmel. Versuchte mich zu fassen. Aber es ging nicht. Weinend sackte ich auf den Boden. 

"Gott, wenn es dich gibt, warum nimmst du mir alles, was mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert? Warum nimmst du mir Menschen, die mich durch mein Leben begleitet haben? Was muss ich dir getan haben, dass du mich so hasst?"

 

Mike, ich danke dir für alles, was du für mich getan hast, für jede einzelne Minute, die du mit mir verbracht hast, für knapp 25 Jahre Verbundenheit. Dein Tod kam so plötzlich. Bitte gib uns, vor allem deinen Eltern, die Kraft, weiter durchs Leben zu gehen. Nimm Oma und Opa von mir in den Arm. Ich warte auf den Tag, andem wir uns wieder sehen. Auch wenn ich es dir nie gesagt habe, Ich liebe dich und du fehlst mir jetzt schon sehr.  

20.9.15 23:31
 
Letzte Einträge: Weisheitszahn-Extraktion, Hilflosigkeit, Weisheitszahn-OP, Kehrtwendung des Lebens, Hochmut kommt vor dem Fall, Ja? Nein? Ach Mensch


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PP / Website (21.9.15 06:28)
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